Wein und Weingüter

Die Weine des Dordogne-Tals sind weniger bekannt als der Bordeaux. Doch hier erzeugten Weine punkten mit ihrem hervorragenden Geschmack und gewinnen inzwischen an internationaler Anerkennung.

Das Dordogne-Tal ein Paradies für Kenner und Liebhaber von Spitzenweinen. Das Zusammenwirken des reichen Bodens, der hügeligen Landschaft und der vielen Sonne setzt einen schnellen Reifegrad der Trauben in Gang. Die hier erzeugten Weine sind die perfekte Begleitung zu den traditionellen Gourmetgerichten der Gegend wie Entenbrust oder Quercy-Lamm.

Früher war das Tal der Dordogne ebenso reich an Weinbergen wie die Bordeaux-Region. Mit der Erfindung des Dampfschiffes kam jedoch die amerikanische Reblaus und verursachte die „große französische Weinfäule“. In Teilen der Dordogne wurde der Weinanbau weitgehend aufgegeben und die Winzer wandten sich stattdessen dem Trüffelanbau und der Walnussproduktion zu.

Der Weinbau wurde in jüngster Zeit wieder entdeckt. Die neuen Qualitätsweingüter bieten echte Köstlichkeiten. Achten Sie beim Kauf im Supermarkt und bei den Weingütern auf das Siegel Appellation d’origine contrôlée (AOP).

Wein aus den Côteaux de Glanes

Die Rebflächen in Glanes wurden bereits im Jahr 893 auf den Grundstücken der Abtei Beaulieu erfasst. Ende der 1960er-Jahre ermöglichten neue Weinberge die Verbesserung der Rebsorten und stellten so den Ruf der Weine mit hervorragenden Rot- und Rosé-Weinen wieder her. Die Hauptsorte ist Merlot oder die preisgekrönte Merlot-Gamay-Mischung. Wenn Sie können, besuchen Sie dieses Weingut und entdecken Sie die Leidenschaft der Winzer für ihre Weine. Sie können vor Ort verkosten und einkaufen.

Der Amadour aus Rocamadour

Die Winzergenossenschaft Roc-Amadour wurde am 15. Mai 2006 gegründet. Dieses Ereignis markiert die Rückkehr des Weinguts Rocamadour auf den Weinmarkt. Sein Ursprung geht auf die Zeit der römischen Herrschaft zurück. Schon damals boten die Hügel beste Voraussetzungen für die Herstellung eines hochwertigen Weins, der über die regionalen Grenzen hinaus bekannt war.

Der rote Amadour hat Aromen von schwarzen Früchten, Sauerkirschen und Gewürzen, während der Amadour rosé Aromen von weißen Fleischfrüchten, Akazienblüten und kleinen roten Früchten freisetzt.

Der Wein von Branceilles oder die „Tausendundein Steine“

Der Branceilles-Wein wurde 1878 auf der Weltausstellung mit einer Medaille ausgezeichnet, doch seine Reben fielen kurz danach der Reblaus zum Opfer. Über einhundert Jahre vergaß man ihn einfach. Die Reben wichen allmählich Trüffeleichen und Walnussbäumen.

In den 1980er-Jahren entschied sich eine kleine Gruppe von Enthusiasten, diesen Wein wieder zu beleben und nannte ihn „Tausendundein Steine“, da der lehmige Kalksteinboden der Weinberge reich an weißen Kieselsteinen ist. Sehr beliebt ist das kleine Weingut Mille et une Pierres – auch wegen der Bioweine, die es produziert und das Weingut in Branceilles (Cave Viticole de Branceilles).

Der Passerillé oder „Musenhonig“

Von den Hängen in Bellocois und Meyssacois kommt der „Miel des Muses“ (Musenhonig), der früher als Vin Paillé (Strohwein) bekannt war und heute Vin Passerillé heißt. Das Wort Passerillé bezeichnet eine Methode der Überreife durch natürliche Trocknung der Trauben an der Luft, um die Konzentration von Süße und Aromen zu verbessern.

Dieser süße Wein ist leicht, ausgewogen im Mund und angenehm in der Nase. Ungefähr zwanzig Winzer stellen ihn wieder her. Sie haben sich zusammengeschlossen, um das alte Know-how und die Tradition zu bewahren. Die önologische Überwachung sichert die hohe Qualität der Weine.

Dieser Süßwein – unserer Trockenbeerenauslese vergleichbar – schmeckt als Aperitif oder in Kombinationmit Foie Gras, Käse und Schokoladendesserts. Sie finden ihn im Weingut „Mille et une Pierres“.

Der Strohwein und seine Legenden

Der Vin Paillé hat viele Legenden inspiriert, wie die des Heiligen Eloi, der 623 auf dem Weg nach Rocamadour im kleinen Hafen des heutigen Beaulieu-sur-Dordogne rastete. Die Bewohner brachten ihm Essen und Trinken, darunter ein Glas Strohwein (vin paillé), süß und tröstlich. Der heilige Eloi schätzte diesen Nektar so sehr, dass er ihn mit nach Paris nahm, um ihn dem „guten König Dagobert“ zu schenken. Dagobert soll so viel von dem Wein gekostet haben, dass er sein Höschen verkehrt herum anzog.

Eine andere Legende besagt, dass Rodolphe von Turenne beschloss, das Kloster in Beaulieu zu gründen, nachdem er drei Gläser des Strohweines getrunken hatte. Er soll den Mönchen befohlen haben, Weinreben anzubauen, um diesen berühmten Nektar so schnell wie möglich herzustellen und ihn zu ihrem Messwein zu machen.

 

Die Geheimnisse der Herstellung

Der Nachfolger des Vin Paillé, der Passerillé-Wein, wird entweder aus den roten Rebsorten Cabernet Franc und Cabernet Sauvignon gewonnen oder aus den hellen Trauben des Chardonnay und Sauvignon. Wenn die Trauben reif sind, erntet der Winzer die schönsten Trauben von Hand und legt sie in gut belüfteten Räumen vorsichtig auf Holzgestelle.

Im Laufe der Wochen verlieren die Trauben ihr Wasser. Zurück bliebt die Rosine mit der konzentrierten Süße und den Aromen. Während dieser Trockenphase erfolgt eine regelmäßige Qualitätskontrolle durch den Winzer.

Um die Weihnachtszeit werden die verdorrten, entwässerten und süßen Trauben gepresst. Anschließend beginnt der Gärungsprozess und es entsteht ein Wein mit fast 14 Prozent Alkoholgehalt. Der Wein reift danach unter Aufsicht eines Önologen mindestens zwei Jahre im Fass, bevor er in den Verkauf gebracht wird. Für die Herstellung von einem Liter Passerillé-Wein benötigt man sieben bis acht Kilo Trauben.